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Orf.at: Hendl oder auch Hund - Hitzige Debatte über Antibiotikaverbote

Der massenhafte Einsatz von Antibiotika gilt als Ursache für gefährliche Resistenzen. Bestimmte antibiotische Wirkstoffe sollen nach dem Willen des Umweltausschusses im Europaparlament daher nicht mehr kollektiv in der Massentierhaltung verabreicht werden dürfen. Das ruft viele Tierärztinnen und -ärzte auf den Plan: Sie argumentieren, dass dann auch Haustiere betroffen wären.

Reserveantibiotika - sie sollen, wenn es nach dem Umweltausschuss des EU-Parlaments geht, für die Humanmedizin reserviert werden, um Resistenzen vorzubeugen. Derzeit liegt ein Entschließungsantrag unter Federführung des deutschen Grünen Martin Häusling auf dem Tisch, über den nächste Woche im EU-Parlament abgestimmt wird. Darin fordert Häusling die EU-Kommission auf, fünf von insgesamt 35 Wirkstoffen der Reserveantibiotika offiziell in der Tiermedizin zu verbieten.

Die österreichische Tierärztekammer spricht sich strikt gegen die geplanten Regeln aus. „Der Antrag beinhaltet schwere Forderungen, die stark über das Ziel hinausschießen“, so Kammerpräsident Kurt Frühwirth zu ORF.at. Es handle sich um ein Verbot per Gießkanne, bei dem zuerst untersagt werde und in späterer Folge wieder Ausnahmen gemacht werden sollen. „Wenn es einen Entzug von Antibiotika für die Veterinärmedizin geben soll, dann muss einzeln geprüft und wissenschaftlich bewiesen werden, wieso ein bestimmter Wirkstoff in bestimmten Fällen nicht mehr einzusetzen ist, etwa über einen Kriterienkatalog.“

Eine ganze Gruppe von Wirkstoffen generell zu untersagen sei der falsche Weg. „Das würde nicht nur großen wirtschaftlichen Schaden hervorrufen, sondern auch Tierleid.“ Zudem gebe es nicht immer einen direkten Zusammenhang zwischen der Abgabe von Antibiotika in der Tiermedizin und Resistenzen in der Humanmedizin. Alle Beteiligten würden sich auch zur prinzipiellen Reduktion von Antibiotika bekennen und auch zur Notwendigkeit weiterer Maßnahmen. In Österreich etwa sank die Zahl der an Tiere verabreichten Antibiotika um 15 Prozent innerhalb eines Jahres. Die Tierärztinnen und Tierärzte hätten „da auch ihre Hausaufgaben schon gemacht“, so Frühwirth.

Lesen Sie den vollständigen Beitrag unter: "Hendl oder auch Hund - Hitzige Debatte über Antibiotikaverbote", 09.09.2021