Zecken- und Stechmückengefahr bei Hunden weitgehend unterschätzt

   
Fotocredit:Welldone Werbeagentur GmbH/APA-OTS/Denk; v.l.n.r.: Dr. Heinz A. Gilli (Tierarzt, Steiermark), Dr. Michael Leschnik (Veterinärmedizinische Universität Wien, Abteilung für interne Medizin Kleintiere), Christian Bucher (betroffener Hundebesitzer), Dr. Walter Holzhacker (Präsident der österr. Tierärztekammer),

Zecken aber auch Stechmücken stellen nicht nur für Menschen eine Bedrohung dar. Einer in Ostösterreich durchgeführten Risikoanalyse zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit für Hunde, sich in betroffenen Gebieten innerhalb eines Jahres mit Borreliose zu infizieren bei 20 Prozent. Bei FSME beträgt die Wahrscheinlichkeit rund 11 Prozent und bei Anaplasmose 22 Prozent. Oftmals führen diese Erkrankungen zu lebenslangen Schäden oder zum Tod des Hundes. Immer milder werdende klimatische Bedingungen, eine zunehmende Mobilität der Gesellschaft sowie die einsetzende Reisezeit begünstigen weitere Infektionen. Trotzdem wird die Gefahr, die von Zecken und Stechmücken ausgeht, nach wie vor unterschätzt.

Als FSME-Hochburgen mit besonders vielen Infektionen gelten Graz, Fürstenfeld, Neusiedl am See, Mödling, Wien und St. Pölten. Wärmere klimatische Bedingungen sowie eine vermehrte Reisetätigkeit mit Hund und der Import von Hunden führen aber auch immer häufiger zu bisher noch unbekannten Infektionen mit Krankheiten wie Dirofilariose oder Leishmaniose. Werden erste Symptome dieser Erkrankungen nicht richtig oder zu spät erkannt, kann dies einen langen, lebensbedrohlichen Krankheitsverlauf nach sich ziehen. Nicht nur auf Reisen, sondern auch für den Alltag ist eine entsprechende Beratung durch den Tierarzt über Präventionsmöglichkeiten anzuraten, so Dr. Michael Leschnik von der Veterinär-medizinischen Universität Wien.

Entgegen der allgemeinen Annahme lauern Zecken nicht auf Bäumen, sondern auf bodennahen Gräsern, Sträuchern und an Wegrändern. Das heißt nicht nur am Land, auch in städtischen Parks besteht Gefahr. Die Aktivitätsphase von Zecken beginnt bereits ab einer Temperatur von rund 7 Grad. Der meiste Zeckenbefall konnte im März, April und Mai nachgewiesen werden. Zu den häufigsten in Österreich durch Zecken übertragenen Erkrankungen zählen: Anaplasmose, Borreliose, FSME, Babesiose, auch Hundemalaria genannt und Ehrlichiose. Die Krankheiten rufen Symptome wie Fieber, Lahmheit, Gelenksentzündungen, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust hervor. Im schlimmsten Fall können sie für den Hund tödlich enden. Die Diagnose erweist sich gelegentlich als sehr aufwendig und nicht in jedem Fall als sicher, wobei speziell die Diagnose Borreliose als äußerst problematisch anzusehen ist. Gleiches gilt für die Therapie, weiß Dr. Heinz Gilli, niedergelassener Tierarzt in Oberaich, einer stark betroffenen Region in der Steiermark. FSME kann nicht nur Menschen, sondern auch für Hunde eine große Bedrohung darstellen.
Christian Buchners Labrador Samson fiel dieser Krankheit zum Opfer. Erste Symptome zeigten sich bereits kurz nach dem Zeckenbiss. Samson hatte plötzlich Koordinationsschwierigkeiten und Probleme beim Gehen. Zwei Tage später war der Hund bereits vollständig gelähmt. Es ist daher wichtig, Haustierbesitzer über gefährliche Krankheiten und deren Überträger zu informieren und auch zu einer verlässlichen Vorsorge aufzurufen, so Buchner.

Nicht nur heimische Blutsauger wie Zecken werden so gefährlicher, auch Arten, die vorrangig in anderen Gebieten anzutreffen sind, finden in unseren Breiten einen zunehmenden attraktiven Lebensraum. Eine Prophylaxe sollte in jedem Fall mit dem Tierarzt abgesprochen werden. Nicht alle im Handel angebotenen Präparate sind wirksam gegenüber den oben beschriebenen Krankheiten. Biologische Wirkstoffe, wie sie oftmals in Zoofachgeschäften erworben werden können sind nicht empfehlenswert, da diese oft nicht den erforderlichen Schutz aufbringen.
Auch Apotheken sind nicht Anlaufstelle erster Wahl bei der Beratung zur Anwendung von Antiparasitika bei Hunden. Auch preislich besteht, wie oft angenommen, kein Unterschied zwischen Tierarzt und Apotheke, denn beide unterliegen derselben Arzneimitteltaxierung. Über ausreichend fachliche Kompetenz verfügen jedoch nur ausgebildete Veterinärmediziner. Die Anwendung der erhältlichen Präparate sollte daher ausschließlich mit dem Tierarzt abgesprochen werden, da eine unachtsame Handhabung zu schweren gesundheitlichen Schäden bei Tieren führen kann, erklärt Dr. Walter Holzhacker.

Der Kammeramtsdirektor i. A.
MMag. Alexander Tritthart

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